Von der Wallstreet nach Disentis

17. August 2015
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Er war Ökonom und Chef Stratege an der Wallstreet, bevor Benedikt Germanier CEO von zai, der exklusiven Skifirma im Herzen der Schweizer Alpen, wurde. Die swiss contact day awards night am 22. Oktober 2015 im Lake Side Zürich wird der charismatische Ökonom mit einer Keynote mit Gänsehaut-Faktor und viel Herz bereichern. Im CMM Interview verrät der mutige Innovator, was es braucht, um innovativ zu sein – und zu bleiben.

CMM: Sie haben nach Ihrer Wallstreet Karriere nochmals komplett neu durchgestartet – mit einem kleinen Team im beschaulichen Dissentis. Wovor hatten Sie Angst? Und worauf haben Sie sich gefreut?

Benedikt Germanier, CEO zai: Ich habe mich enorm auf den Berg gefreut – und darauf, etwas zu tun, das wichtig und schön ist. Dazu gehört das Verstehen des Produkts und ein gutes Team. Ich freute mich darauf mitzuentwickeln. Interessanterweise hatte ich stets ein stürmisches Bild vor Augen: Der Berg im Sturm und in der Kälte. Das Bild hat mich sehr angezogen. Wovor ich Angst hatte? Ich wusste, wir hatten vorerst nur einen Sales Mann. Ich wusste, wir produzieren sehr hochwertig und verkaufen zu wenig. Ich habe mich gefragt, ob ich fähig sein würde, das Problem zu lösen. Wie sich rausstellte, kam vieles anders.

CMM: Was kam anders?

Benedikt Germanier: Ich habe begonnen, extrem gut zu verkaufen (lacht). Es geht immerhin um den teuersten Ski der Welt der mit 2.000 bis 7.000 Franken rund fünf- bis zehnmal so viel kostet wie ein konventioneller Ski. Menschen, von denen ich es nie erwartet hatte, sind völlig begeistert, strahlen mich an und kaufen den Ski. Aber das reicht nicht. Auch das Distributionsnetz muss finanziert werden. Ich musste hart erfahren, dass Fachhändler und Sportgeschäfte viel Betreuung brauchen. Sie wollen auch auf den Berg und den Wind und das Entwicklungserlebnis erfahren. Am Ende des Tages müssen wir alle Geld verdienen. Auch unsere Geschäftskunden brauchen eine Marge und Unterstützung im Marketing. Das ist etwas Schönes, aber auch ein Commitment von unserer Seite, aus dem eine Partnerschaft entstehen kann. Es ist ein Geben und Nehmen.

CMM: Sie zählen zum Who is Who der Innovatoren des Landes. Was bedeutet Innovation für Sie?

Benedikt Germanier: Innovation kann ein Produkt oder ein Verhalten sein, das anders ist, das den Menschen einen Nutzen stiftet, das uns weiter bringt und mehr Optionen eröffnet. Was unser Geschäft betrifft: Wir verwenden sehr hochwertige Materialien. Das gibt ein anderes Fahrgefühl und dem Ski eine andere Aura. Dahinter verborgen ist eine konsistente Geschichte. Was den Nutzen betrifft, so steht für uns die Freude im Zentrum. Wir wollen den Menschen, die zu uns kommen, Freude schenken. Dass wir auf einem guten Weg sind, habe ich auf dem Skitag einer Firma erfahren, an dem die Mitarbeiter vom „zai Smile“ erzählt haben. Ein Kunde sagte, der zai Ski sei der billigste Ski der Welt. Er fahre ihn schon seit 10 Jahren und er bereite ihm immer noch Freude. Wenn ein Kunde sagt: „Das war der beste Skitag in diesem Jahr“, weiss ich , es ist wirklich gut. Mehr Optionen zu eröffnen bedeutet für mich, ein Produkt oder Verhalten zu schaffen, mit dem Du mehr erleben kannst. In Bezug auf den Ski heisst das, nicht nur schneller zu fahren, sondern auch leichter, dass man sich nicht verletzt und einem die Knochen nicht weh tun; ein Ski der Dir Impulse gibt, Dich mehr zu bewegen, der Dir ermöglicht, sowohl die Pisten als auch den Tiefschnee zu geniessen und der so schön ist, dass Du ihn im Wohnzimmer ausstellen kann – der also insgesamt eine Erfahrung schafft, die zufriedener macht. Das geht über die Produkt-Innovation hinaus. Natürlich verbauen wir hochwertigstes Karbon. Aber das Material darf nicht nur neuwertig sein, sondern muss auch Nutzen stiften und dem Nutzer mehr Optionen bieten.

CMM: Was braucht es, um innovativ zu sein und zu bleiben?

Benedikt Germanier: Vor allem braucht es die beständige Neugierde, dieselben Dinge immer wieder anders anzuschauen und sich für neue Dinge zu interessieren. Es braucht den inneren Antrieb, Themen weiterzuentwickeln, sich aus den eigenen vier Wänden rauszubewegen, buchstäblich „gierig nach Neuem“ zu sein. Hinzukommt eine Portion Unzufriedenheit mit dem Status quo – der Wille nicht aufgeben zu wollen, die Dinge besser zu machen. Wenn man das Gefühl hat, angekommen zu sein, stimmt etwas nicht, ist es tot. Das ist das Paradoxe: Es gibt die kreative Zerstörung. Aber um Nutzen zu stiften, muss man die Ideen am Schluss auch in ein Produkt oder Service verwandeln, es braucht also auch eine gewisse Persistenz und Ruhe um zu merken, wenn etwas neu UND gut ist. Ansonsten läuft man Gefahr, von einem zum nächsten zu springen und nichts fertigzubringen. Sind die Kunden zufrieden, muss man genau an diesem Punkt weitermachen.

CMM: Welche Bedeutung hat Innovation für Sie und für Ihr Unternehmen?

Benedikt Germanier: Wir sagen, wir sind kein Massenprodukt. Aber nicht Masse zu sein alleine reicht nicht. Für uns ist Innovation eine Existenzberechtigung. Um das umzusetzen, was wir wollen, müssen wir Dinge anders konstruieren und bauen und Erlebnisse schaffen. Bestehende Verfahren, Konstruktionen, Materialien und Bewegungsmuster reichen dafür nicht. Als Unternehmen geht es uns ein bisschen wie Jimmy Hendrix. Er sagte, er würde nicht alt werden. Was ihn daran störe sei, dass er vieles, das in seinem Kopf ist, nicht umsetzen kann. Das ist unsere einzige Angst. Ich bin Ökonom und weiss um die Schwierigkeit von Innovation. Innovation ist teuer, bedeutet Trial and Error, und wir sprechen von kleinen Stückzahlen. Das sind rein ökonomisch betrachtet schwierige Faktoren. Wir müssen neben dem Produkt ebenfalls Vertrieb und Marketing innovieren. Auch hier müssen wir genauso neue Wege gehen wie in der Produktion. Die Innovation muss über die ganze Firma hinweg sichergestellt werden. Dann haben wir auch eine Chance, alt zu werden.

CMM: Welche ist die wichtigste Eigenschaft eines Innovators?

Benedikt Germanier: Neugierde. Die Dinge nicht hinzunehmen, zu hinterfragen, zu spielen um die Fantasie anzuregen, spielerisch sein um die Ideenvielfalt zu fördern. Am Schluss geht es um die Freude am Leben. Es ist auch ein gewisser Widerspruch – neugierig und unzufrieden und lebensfroh zu sein. Diese Spannung muss man aushalten können. Ein zweiter wichtiger Punkt ist der Mut, die Dinge anders anzuschauen und verspielt zu sein. Viele verbringen zu wenig Zeit mit sinnlosem Zeug. Wir sollten mehr Zeit einbauen, um sinnlose Dinge zu machen, damit wir nicht grau werden.

CMM: Wie zum Beispiel die Wallstreet neu zu gestalten?

Benedikt Germanier: An der Wallstreet geht es darum, den Markt zu Deinen Gunsten zu verzerren. Aber Innovation ist anders gesteuert. Es geht nicht darum, Geld zu machen und Macht zu gewinnen. Der Antrieb eines Innovators ist es, Dinge besser zu machen, mehr Freude zu stiften. Dass wir damit auch überleben müssen, kommt erst nachgelagert. Vorgelagert sind Nutzen, Freude und neue Optionen für unsere Kunden. Deshalb funktioniert es trotzdem.

www.zai.ch

Nacht der Kundenbegeisterung: golden headset awards night

Am Abend des 22. Oktober 2015 verwandelt sich das wunderbare Lake Side am Zürichsee in das Zentrum der Kundenbegeisterung. Sichern Sie sich bis 28. August 2015 Ihr Early-Bird-Ticket!

Neben Benedikt Germanier wird der herausragende CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts Dr. David Bosshart die Gäste mit spannenden Impulsen zur Service-Kultur 2025 inspirieren.

Anschliessend heisst es Daumen drücken für die Nominierten der Golden Headset Awards 2015. Lernen Sie die Nominierten kennen und erfahren Sie, wer im letzten Jahr besonders kundenorientiert, mitarbeiterfreundlich, innovativ oder partnerschaftlich seine internen oder externen Kunden begeistert hat.

Wir freuen uns auf Ihre Anmeldung und eine inspirierende Gala-Nacht der Kundenbegeisterung!

Early-Bird-Tickets sind bis 28. August 2015 unter www.callnet.ch/anmelden-awards-night erhältlich.

Autor: Claudia Gabler

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Er war Ökonom und Chef Stratege an der Wallstreet, bevor Benedikt Germanier CEO von zai, der exklusiven Skifirma im Herzen der Schweizer Alpen, wurde. Die swiss contact day awards night am 22. Oktober 2015 im Lake Side Zürich wird der charismatische Ökonom mit einer Keynote mit Gänsehaut-Faktor und viel Herz bereichern. Im CMM Interview verrät der mutige Innovator, was es braucht, um innovativ zu sein – und zu bleiben. CMM: Sie haben nach Ihrer Wallstreet Karriere nochmals komplett neu durchgestartet - mit einem kleinen Team im beschaulichen Dissentis. Wovor hatten Sie Angst? Und worauf haben Sie sich gefreut? Benedikt Germanier, CEO zai: Ich habe mich enorm auf den Berg gefreut – und darauf, etwas zu tun, das wichtig und schön ist. Dazu gehört das Verstehen des Produkts und ein gutes Team. Ich freute mich darauf mitzuentwickeln. Interessanterweise hatte ich stets ein stürmisches Bild vor Augen: Der Berg im Sturm und in der Kälte. Das Bild hat mich sehr angezogen. Wovor ich Angst hatte? Ich wusste, wir hatten vorerst nur einen Sales Mann. Ich wusste, wir produzieren sehr hochwertig und verkaufen zu wenig. Ich habe mich gefragt, ob ich fähig sein würde, das Problem zu lösen. Wie sich rausstellte, kam vieles anders. CMM: Was kam anders? Benedikt Germanier: Ich habe begonnen, extrem gut zu verkaufen (lacht). Es geht immerhin um den teuersten Ski der Welt der mit 2.000 bis 7.000 Franken rund fünf- bis zehnmal so viel kostet wie ein konventioneller Ski. Menschen, von denen ich es nie erwartet hatte, sind völlig begeistert, strahlen mich an und kaufen den Ski. Aber das reicht nicht. Auch das Distributionsnetz muss finanziert werden. Ich musste hart erfahren, dass Fachhändler und Sportgeschäfte viel Betreuung brauchen. Sie wollen auch auf den Berg und den Wind und das Entwicklungserlebnis erfahren. Am Ende des Tages müssen wir alle Geld verdienen. Auch unsere Geschäftskunden brauchen eine Marge und Unterstützung im Marketing. Das ist etwas Schönes, aber auch ein Commitment von unserer Seite, aus dem eine Partnerschaft entstehen kann. Es ist ein Geben und Nehmen. CMM: Sie zählen zum Who is Who der Innovatoren des Landes. Was bedeutet Innovation für Sie? Benedikt Germanier: Innovation kann ein Produkt oder ein Verhalten sein, das anders ist, das den Menschen einen Nutzen stiftet, das uns weiter bringt und mehr Optionen eröffnet. Was unser Geschäft betrifft: Wir verwenden sehr hochwertige Materialien. Das gibt ein anderes Fahrgefühl und dem Ski eine andere Aura. Dahinter verborgen ist eine konsistente Geschichte. Was den Nutzen betrifft, so steht für uns die Freude im Zentrum. Wir wollen den Menschen, die zu uns kommen, Freude schenken. Dass wir auf einem guten Weg sind, habe ich auf dem Skitag einer Firma erfahren, an dem die Mitarbeiter vom „zai Smile“ erzählt haben. Ein Kunde sagte, der zai Ski sei der billigste Ski der Welt. Er fahre ihn schon seit 10 Jahren und er bereite ihm immer noch Freude. Wenn ein Kunde sagt: „Das war der beste Skitag in diesem Jahr“, weiss ich , es ist wirklich gut. Mehr Optionen zu eröffnen bedeutet…

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